So funktioniert Entspannung – Warum du Anspannung brauchst.

Kennst du das Gefühl, den ganzen Tag lang, von morgens bis abends eine gewisse Anspannung zu spüren? Du machst dir Gedanken über verschiedenste Dinge, was du noch einkaufen willst, welcher Anruf noch getätigt werden muss usw. Innerhalb dieser Grundspannung, die normal zu sein scheint ist weder völlige Entspannung, noch leistungsfähige Anspannung möglich.

Nur ein entspannter Muskel kann angespannt werden

Über den Tag spannen wir bestimmte Muskeln unbewusst immer wieder an, obwohl wir sie in dieser Situation gar nicht brauchen, zum Beispiel, wenn wir uns geistig anstrengen, Ärger haben, oder aus Nervosität. Innerhalb dieses angespannten Zustands ist keine Höchstleistung möglich.

Jedes Training beginnt mit einer angemessenen Aufwärmphase. In dieser Zeit werden alle Muskeln gelockert, die Durchblutung angeregt und die Gelenke auf die bevorstehende Belastung vorbereitet. Im Krafttraining arbeitet man sich anschließend nach und nach an das tatsächliche Trainingsgewicht heran, indem man das Gewicht von Satz zu Satz steigert.

Bereit für Höchstleistung

Um das Maximalgewicht zu bewältigen ist die volle Anspannung und messerscharfer Fokus nötig, der Körper rekrutiert die Höchstzahl an Muskelfasern, um dieses Gewicht zu bewältigen. Dieses Maximalgewicht können in anderen Lebensbereichen schwierige Aufgaben sein, die die volle Aufmerksamkeit benötigen, oder Dinge, für die wir uns sehr stark aus der Komfortzone herausbewegen müssen.

Wir haben das Gewicht geschafft, es war schwer, wir haben gekämpft und acht Wiederholungen erreicht – Gewicht ablegen und durchatmen. Jetzt kommt die entscheidende Phase, um das Gewicht im nächsten Satz nochmal zu bewältigen, die Pause. Der Muskel erholt sich, tankt wieder neue Kraft und bereitet sich vor. Wenn die Pausenzeit zu kurz ist, kann der Muskel sich nicht ausreichend erholen für den nächsten Satz. Noch schlimmer, wer die Pause komplett weglässt, der schafft im nächsten Satz, mit gleichem Gewicht nur noch eine Wiederholungszahl, die einem Anfängerlevel entspricht. #nichtsgegenAnfänger 😉

Das bedeutet, auf eine abgeschlossene Aufgabe folgt eine Pause. Du hast voll durchgezogen, alles gegeben und atmest jetzt ganz in Ruhe durch, bevor die nächste Aufgabe kommt, denn du weißt, dass du ansonsten nicht ansatzweiße leistungsfähig für die neue Aufgabe bist.

Diese Satzpausen sind nicht nur nach besonders schwierigen Herausforderungen wichtig, sondern über den ganzen Tag verteilt. Niemand ist von morgens bis abends 110 % fokussiert, ohne hin und wieder in aller Ruhe durchzuatmen und Energie zu tanken. Alle 90 Minuten einen Moment von seinen Aufgaben loslassen, einen Schritt gehen, tief durchatmen und strecken, macht uns über den ganzen Tag viel leistungsfähiger, als krampfhaft an unseren Aufgaben festzuhalten. Die kontinuierliche Anspannung raubt Energie, ohne überhaupt die maximale Leistungsfähigkeit aufbringen zu können.

Training abgeschlossen

Nach dem Training ist die Aufgabe abgeschlossen, wir freuen uns über das erreichte Ziel und machen uns ab jetzt keine Gedanken mehr, ob eventuell mehr gegangen wäre.

Der Zustand des Glücks, der Freude und Zufriedenheit stellt sich ein. Abends, nach einem guten Training fühle ich mich viel entspannter und lockerer, jetzt macht es Spaß, sich auszuruhen, weil alle Anspannung abgefallen ist.

Das sind die Tage, an denen man ein großes, ein wichtiges, oder ein anstrengendes Projekt abgeschlossen hat und der wohlverdiente Urlaub bevorsteht. Wir lassen alles los, was uns anspannt und sind frei. Wirkliche, tiefe Entspannung ist meist nur nach einer starken Anspannung möglich, alles andere ist wahrscheinlich Langeweile und bringt uns auch keine Zufriedenheit.

Praktisch bedeutet das, dass wir viel entspannter sein können, wenn wir tagsüber Vollgas geben, indem unser Alltag von kurzen Pausen der Ruhe unterbrochen wird und abends, nach getaner Arbeit das Projekt und die Aufgaben losgelassen werden. Auf diese Weise können wir viel mehr leisten, ohne uns anschließend von dem Tag erschlagen zu fühlen.

Anspannung, wenn Anspannung gebraucht wird

Phasen der Anspannung kommen immer wieder, zwangsläufig. Jetzt ist es wichtig, diese als solche Phasen zu akzeptieren und einmal richtig anzuspannen, richtig reinzuhauen bis der Bizeps alle Wiederholungen geschafft hat und dann die Hantel fallen zu lassen, voll loszulassen.

Niemand geht trainieren und spannt abends vor dem TV stundenlang den Bizeps an. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, ist Zeit für den Zustand völliger Entspannung


Tipp zur Entspannung

Wir haben gelernt, dass Anspannung notwendig ist, um sich richtig zu entspannen. Hier eine simple Übung dazu: Lege dich gemütlich hin und nehme ein paar tiefe Atemzüge. Spanne einen Muskel nach dem anderen in deinem Körper an und halte die Spannung jeweils 5 bis 10 Sekunden. Beginne mit dem Gesicht, ziehe deine Augenbrauen so hoch wie möglich, dann so weit herunter wie möglich, kneife die Augen zusammen, presse deine Lippen zusammen usw. Spanne die Muskeln immer voll an und entspanne dann wieder komplett. Gehe nun den Körper entlang, die Schultern und Arme, von der Brust zum Bauch und Rücken, anschließend die Hüfte, Beine und Füße. Du wirst spüren, wie dein Stresslevel sinkt und du entspannter wirst.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren, ich freue mich über Dein Feedback 😉

 

Beste Grüße, Sebastian