Warum der Weg zählt, nicht das Ziel

Wenn ich meinen Traumkörper habe, dann bin ich glücklich. – Wenn ich den Abschluss habe, dann bin ich glücklich. – Wenn ich diesen Job habe, dann bin ich glücklich. – Wenn ich in meinem Urlaub in der Sonne liege, dann bin ich glücklich.

Na, erkennst du dich an der ein oder anderen Stelle wieder? Wenn eine bestimmte Sache erfüllt ist, dann werden wir endlich glücklich sein – so reden wir es uns zumindest häufig ein. Wir fiebern dem Tag X entgegen, an dem wir endlich glücklich sein werden und verdrängen solange viele andere Dinge, bis wir sie nicht mehr wahrnehmen.

Endlich kommt der langersehnte Tag, die Koffer sind gepackt und es geht in Urlaub, oder der Abschluss ist in der Tasche, oder wir haben endlich unseren neuen Job. Doch was passiert nun? Die anfängliche Euphorie ist bald vorbei, der letzte Urlaub ist im Trubel des Alltags schnell vergessen und nach der letzten Urkunde fragt niemand mehr.

Größer, höher, weiter..

Im Fitness- und Freizeitsport verhält es sich ähnlich. Die meisten Trainierenden haben ein Bild vor Augen, das sie einerseits antreibt, andererseits reden sie sich aber auch ein (evtl. unterbewusst), dass sie erst glücklich und zufrieden sind, wenn das Ziel erreicht ist. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass sich das Bild im Laufe der Zeit immer wieder in der Form verändert, dass man noch mehr erreichen will und den „Wunschzustand“ von Mal zu Mal höher steckt. Dies hat zwar den Vorteil, dass man konsequent seine Ziele verfolgt, gleichzeitig aber auch den Nachteil, selten im aktuellen Moment zufrieden zu sein. Das Glück wird immer wieder in die Zukunft geschoben.

Du kennst das vielleicht aus einem bestimmten Bereich in deinem Leben. Wenn ein Ziel erreicht ist, ist schon das nächste, größere da. Der Tag, an dem wir entspannt in unserem Schaukelstuhl am Haus am See sitzen und mit allem glücklich und zufrieden sind wird so wahrscheinlich nicht eintreten. Es gibt immer etwas zu tun in unserem ständigen Streben nach neuen Herausforderungen.

Immer Unglücklich?

Heißt das nun, dass wir nie glücklich sein können? – Das Training hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, hoch gesteckte Ziele zu haben und diese zu verfolgen. Noch wichtiger ist es meiner Meinung nach, Spaß, Freude und Glück bei dem Verfolgen dieser Ziele zu haben. Das anvisierte Ziel ist nur ein bestimmter Punkt oder Zustand in der Zukunft, doch der Weg ist häufig ein langer Zeitraum, den wir tagtäglich bestreiten. Es ist daher wichtig, dass der Weg uns glücklich macht und nicht nur, irgendwann das Ziel zu erreichen.

Als Kind, bei Wanderungen hab ich oft den Spruch „Der Weg ist das Ziel“ gehört und habe ihn gehasst, weil das für mich keine richtige Aussage war und ich nicht den Sinn dahinter verstanden habe. Mittlerweile ist mir klar geworden, wie viel hinter diesem Spruch steckt und benutze ihn sogar selbst. Am Gipfelkreuz zu stehen schüttet nur dann Glückshormone aus, wenn man auch wirklich hochgewandert ist und nicht mit der Seilbahn hochgefahren ist.

Die Kunst liegt darin, den Prozess, sowie den gegenwärtigen Augenblick zu genießen und zu erleben, ohne dabei seine Ziele aus den Augen zu verlieren. Der einzige Moment, in dem du lebst ist das Hier und Jetzt, warum also all das Glück und die Zufriedenheit in die Zukunft verschieben?

 

Wie gehst du damit um? Genießt du die Gegenwart, oder wartest du auf die Zukunft?

Ich freue mich über Deine Meinung.

 

Beste Grüße, Sebastian